Partnership:Cornelia Franken and Jo Brandon

Partnership:Cornelia Franken and Jo Brandon

Cornelia Franken is a German writer of short prose and a translator with many publications in anthologies with different publishers. She is also part of “DreiSatz” and “LiteraturRaum Ruhr” with whom she realises writing projects and readings.

Jo Brandon has had two poetry publications with Valley Press: Phobia and The Learned Goose and her latest collection Cures is due in 2020. You can find her at www.jobrandon.com

JO BRANDON

Headingley’s Zoological Gardens

It was a neighbourhood scheme,

got up to filter the good air from the bad,

elevate the pursuit of leisure,

instil a Godly pastime

of servile abstinence, for a day a week,

while everyone, all things in common,

promenaded amongst the animals.

 

Time slips and there are walls,

or fragments of walls built into

the kind of homes I covet,

homes that, unless you note

the dates with care, seem older

than the botanical gardens,

seem too solid to have replaced

something that slipped so easily

from our imagination and then

slipped from sight -

left tantalising clues:

a bear pit

and Sparrow Park;

a neck-turn of land

on the corner of Chapel Lane

and Cardigan Road;

street names dissolve,

I am heady with the chitter

of house sparrows and zebra finches

flitting and frisking around an aviary

bigger than the terraced yards that cobbled

over those fashioned walkways and bandstand steps,

over those ha-ha tiers and ornate railings,

within a hair’s breadth of that crenulated bear pit.

 

Time slips,

place slips to Rombergpark,

a living museum that smells,

not of bones and thinning paper,

but of Spring, of blossoms still nesting

along the branches -

it is as vivid and as unseen

as the zoological gardens I miss.

I imagine your daydreams jostling for space

like cycads and palms in a hothouse,

I imagine your pen keeps moving

even though the light is so bright,

there on that seat by the bridge,

that it makes you squint.

Are you thinking

of Headingley’s lost gardens?

Are you thinking

of Eden

and the inevitability of the history

I’ve dug up?

I feel as though I have misplaced those gardens,

that they must still be tucked away somewhere,

near the urban farm or the nature trail.

I feel as though they have slipped away,

they are water wearing away at stones

I believed were set and familiar,

I wish the gardens

would lay like a sheet of acetate

over the sketch of today.

AND TRANSLATED BY CORNELIA FRANKEN:

Headingleys Zoologische Gärten

Es war ein Nachbarschaftsprojekt,

erdacht, um die gute Luft aus der schlechten zu filtern,

den Freizeitwert zu erhöhen,

göttliche Kurzweil serviler Abstinenz zu schaffen, für einen Tag pro Woche,

an dem jedermann, alles in allem,

inmitten der Tiere promenierte.

 

Die Zeit entschlüpft und da sind Wände,

oder Fragmente von Wänden, hineingebaut

in die Art von Häusern, die ich begehre,

Häuser, die, wenn du

die Daten nicht beachtest, älter erscheinen

als die botanischen Gärten,

zu massiv erscheinen, um etwas ersetzt zu haben, das so leicht

unserer Vorstellungskraft entschwand und dann

dem Blick entschwand –

übrig gebliebene spannende Spuren:

ein Bärenzwinger

und Sparrow Park;

ein kleines Fleckchen Erde

an der Ecke von Chapel Lane

und Cardigan Road;

Straßennamen zerfallen,

ich bin berauscht von dem Gezwitscher

von Hausspatzen und Zebrafinken,

die um eine Voliere flattern und hüpfen,

die größer ist als die Terrassengärten, die

über die angelegten Wanderwege und Pavillonstufen,

über die Ha-ha-Reihen und Ziergeländer gepflastert sind,

um Haaresbreite nur entfernt von dem gekerbten Bärenzwinger.

Die Zeit entschlüpft,

der Ort entschlüpft zum Rombergpark,

einem lebenden Museum, das riecht,

nicht nach Knochen und dünner werdendem Papier,

sondern nach Frühling, nach Blüten,

die noch entlang den Zweigen wohnen -

er ist so lebendig und so ungesehen wie die zoologischen Gärten, die mir fehlen.

Ich stelle mir vor, wie deine Tagträume um Platz ringen

wie Zikaden und Palmen in einem Gewächshaus,

ich stelle mir vor, wie deine Hand in Bewegung bleibt,

obwohl das Licht so hell ist,

dort auf der Bank bei der Brücke,

dass es dich blinzeln macht.

Denkst du

an Headingleys verlorene Gärten?

Denkst du

an Eden

und an die Unvermeidbarkeit der Geschichte,

die ich ausgegraben habe?

Mir ist, als hätt‘ ich jene Gärten umquartiert,

dass sie noch irgendwo behütet werden müssen,

neben dem kommunalen Bauernhof oder dem Naturlehrpfad.

Mir ist, als wären sie entschwunden,

sie sind der Tropfen, der die Steine höhlt,

die ich für verlässlich und vertraut gehalten hatte,

ich wünschte mir, die Gärten

legten sich wie eine Azetatschicht

über die Skizze von heute.

 

*

CORNELIA FRANKEN (with her own English translations)

Gartentor

 

Hinter dem Fensterrahmen hatte der Wind die Sterne freigepustet, kleine, klare Punkte im Nichts. Der Neumond war um die Hausecke gezogen und schlug sein kaltes Licht auf die schwarze Kiefer jenseits der dichten Efeuhecke. In den wenigen Wochen, in denen sie vorübergehenden Besitz von diesem verwaisten Haus genommen hatte, war ihr der Nachbar nie begegnet. Nur einmal war eine silberne Limousine durch die Festung der Pforten gefahren. Ein Gärtner pflegte täglich den Rasen und die Koniferen vor dem Anwesen. Er redete nicht und suchte keinen Blickkontakt, was ihr entgegenkam.

 

In meinem Garten, dachte sie, blüht nichts mehr. Die Finsternis verschluckt das Braun und Grün und das Nadelholz braucht viel Wind, um sich zu bewegen. So müde. Die Nacht verharrt. An den Ästen der Buche zittern noch ein paar Blätter. Sie wispern durch das offene Fenster. Vielleicht schaffen sie es noch bis morgen. Doch dann trocknet die Sonne das letzte Leben aus und die Kälte bricht sie ab. Sie fallen schön. Das war’s. So mach‘ ich’s auch.

 

Das dunkle Loch im Kamin starrte sie an und der Wind schlürfte am Schacht. Zugluft zischte durch die kühle Schleuse der Diele und rappelte an der geschlossenen Flügeltür.

 

Geh durch diese Tür. Steige die Stufen hinab zur Straße. Nach Osten führt sie in die Stadt. Geh nach Westen. Dort ist kein Mensch. Schau nicht zurück. Lass los. Du darfst weinen, aber hoffe nicht auf Trost. Wenn du willst, mach eine kurze Pause. Dein Weg bleibt derselbe.

 

Die Bäume rauschten lauter als sonst und die Sterne blinkten heller. Es waren so viele. Sie schmeckte die Gegenwart der kleinsten Insekten. Unter der Haut wimmelte es.

 

Der Motor eines Schließmechanismus schnurrte sich in ihr Ohr. Er öffnete ein Tor zum Garten des Nachbarn. In der Erwartung, ihn zu treffen, trat sie ein. Sie würde ihn um ein Glas Wasser bitten, denn sie verspürte plötzlich großen Durst. Aber da war niemand. Sie begann zu suchen, aber es war mehr ein Umherirren als ein Suchen. Die Zeit verwehte zuerst, als sich ein Schatten näherte. Dann wusste sie nicht mehr, was sie gerade noch gewollt hatte. Als der Schatten sie erreichte, erkannte sie in ihm den Gärtner. Er trug eine Gießkanne und er lächelte leise, als er den Arm um sie legte. In seiner Umarmung verstummte jedes Geräusch. Durch die Stille führte er sie zu einer Stätte unter einem Baum. Sie wusste, dass ihr dieser Platz jetzt zugewiesen war. Ihr war weder warm noch kalt und diese Abwesenheit von etwas füllte sich mit leichter Leerheit. Nichts fehlte ihr mehr. Sie war nur sehr müde und so legte sie sich in die weiche Erde, die sie verlässlich aufnahm. Es ist gut zu wissen, wohin man gehört. „Wer wohnt hier?“ fragte sie noch, bevor sie einschlief. „Ich“, sagte er „und letztlich jedermann.“

  

Garden Gate

 

Behind the window frame the wind had puffed away the clouds from the stars, small clear dots in the nothingness. The new moon had moved around the corner of the house and threw its cold light onto the black pine tree beyond the thick ivy hedge. In those few weeks in which she had taken temporary possession of this abandoned house she had never met the neighbour. Only once, a silver limousine was driven through the stronghold of the gates. A gardener daily cared for the lawn and the conifers in front of the estate. He didn’t speak and didn’t search the eye contact, which she appreciated.

 

In my garden, she thought, nothing blossoms any more. The gloom swallows the brown and green and the pinewood needs much wind to stir. So tired. The night is persisting. On the branches of the beech a few leaves are still trembling. They are whispering through the open window. Maybe they’ll make it till tomorrow. But then the sun will dry out what’s left of life in them and the cold will break them off. They fall beautifully. That was it. So will I.

 

The dark hole in the fire place was staring at her and the wind was slurping at the funnel. A draught was fizzing through the chilly mantrap of the hall and was rattling at the closed double-wing door.

 

Walk through this door. Descend the steps to the road. To the east it leads to the town. Go west. There is nobody. Don’t look back. Let go. You may cry but don’t hope for solace. If you like, make a short break. Your way will stay the same.

 

The trees were rustling louder than usually and the stars were twinkling brighter. They were so many. She tasted the presence of the tiniest insects. Under her skin something was teeming.

 

The motor of a locking mechanism purred into her ear. It opened a gate to the neighbour’s garden. In the expectation to meet him she entered. She would ask him for a glass of water since she suddenly felt very thirsty. But there was nobody. She started to search but it was more errantry than a search. Time faded first when a shadow was approaching. Then she didn’t remember what she had originally wanted. When the shadow reached her, she recognised the gardener in it. He was carrying a watering can and smiled quietly when he put an arm around her. In his embrace each sound fell silent. Through the silence he guided her to a place under a tree. She knew that she had been assigned this place now. Neither cold, nor warm she felt and this absence of something was filling up with light emptiness. She didn’t miss anything. She was just very tired and, thus, she lay down into the soft soil which received her reliably. It is good to know where you belong. “Who lives here?” she asked before she fell asleep. “I”, he said “and finally everyone.”

 

 


 

Vergänglich

 

Hier, wo ich sitz’, verharrt die Hand.

Getrocknet meine Tinte.

Abgelenkt von heller

Schicht aus Licht auf dem Geländer der Brücke,

das die Last der Schlösser von Verliebten trägt,

dort aufgehängt in einem Wahn von Ewigkeit.

Und da ist der Link zu Eden,

dem letzten Ort des Seins,

Wenn man dran glaubt und nicht ans Nichts.

Zu viel der Schönheit, zu viel des Dufts.

Der Rost rieselt schon von der Brücke und zu viel

Last zerbricht sie irgendwann.

Das Geräusch der Geschichte ist manchmal

ein scheppernder Schrei.


 

Transient

 

Here on my seat my hand stopped moving.

My ink has dried.

I am distracted by the bright

Layer of light on the railings of the bridge

That carry the load of lovers’ padlocks,

Hung up there in a fancy of eternity.

And there’s the link to Eden,

The final place to be

If you believe in it and not in nothingness.

Too much, this beauty, too sweet this smell.

The rust already rattles on the bridge, too large

A load will make it break one day.

The sound of history can be a crashing cry.

AND A PIECE BY JO BRANDON IN RESPONSE TO CONNY’S GARTENTOR:

The Gardener

There is a light mizzle again but the sun is warm and catches the tiny droplets like chandelier crystals, it is, afterall, a grand sky above us. For one who should be concerned only with the ground, for the clods and sods of this earth, I do seem prone to let my mind wander upwards and off. I crane my neck to look over the wall, to check the high windows of the waiting house again. See the skittish flickers of faces at the glass, looking down, readying themselves to come outside and push open the heavy gates. I sprinkle more seeds and stamp them into the soil. The rain has brought out the scents of the garden; the delicious niggle of herbs, the sweet Turkish delight of wild dog roses, heady shadow of wisteria and the freshness of budding lime trees. The grass is getting long again. We need more feet to pass through here, perhaps I should graze goats or sheep. These are idle thoughts. Nothing but hard work will keep this garden neat. I hear the old gate hinges creak, I prefer the grinding of rust and the loud twang of wrought iron meeting its match, to the newer automated gates I installed across the lawn - a last help to those that can’t bring themselves to face a final struggle. I appreciate some journeys are longer than others

 

 

 

Conny Franken

Conny Franken

Partnership: Thorsten Trelenberg and James Nash

Partnership: Thorsten Trelenberg and James Nash

Partnership: Claudia Hummelsheim and Lydia Kennaway

Partnership: Claudia Hummelsheim and Lydia Kennaway