Partnership: Anne-Kathrin Koppetsch and Mark Connors

Partnership: Anne-Kathrin Koppetsch and Mark Connors

Anne-Kathrin Koppetsch was born in 1963 and studied Protestant Theology. She writes in several different genres: crime, poetry, and non-fiction. She has published six books and been widely anthologised.

Mark Connors is an award-winning writer from Leeds, UK. He has had over 170 poems published in anthologies, magazines and webzines. Mark’s two novels, published by Armley Press, have received plaudits and he is managing editor of the independent press, Yaffle.

ANNE-KATHRIN KOPPETSCH

Mein Viertel

 Ich habe viele Nachbarn. Mehr als 4000 Menschen leben in meinem Viertel Dortmund-City-Südost auf einem Quadratkilometer.

Ich bin gut beschützt, nehme ich an, denn über mir wohnt ein Polizist, schon der Zweite,

nachdem der Erste geheiratet hat und in einen Vorort gezogen ist. Den Aktuellen stört mein Klavierspiel am Vormittag nach der Nachtschicht. Vor kurzem hat er ebenfalls geheiratet und ich frage mich, ob schon bald der Nächste hier einzieht. Dann entstünde eine Art Bullenflug.

Mein Fahrrad schließe ich am Schildpfosten an und hoffe, dass kein SUV es überfährt. Ein Kleinwagen in zweiter Reihe blockiert den Bus auf der verengten Saarlandstraße. Baustelle. Nicht auszudenken, wenn jetzt der Notarzt durchfahren müsste... Polizei anrufen, abschleppen lassen, geht irgendwie nicht. Ist ein Kleinwagen, wahrscheinlich schmales Budget. Auf dem Bürgersteig schlängele ich mich mit Fahrrad zwischen Kinderwagen und Rollator durch und ernte einen bösen Blick.

„Filetshop“ heißt der Metzger, an dessen Scheibe steht: „Esst weniger Fleisch, aber Besseres“. Schräg gegenüber befindet sich „Schischi – Wohnaccessoires“, ein edles Geschäft für Gardinen und Co. Nur der Gemischtwarenladen mit Rucksäcken, Lampen und Glücksbrettchen im Schaufenster nennt sich einfach „Kuhlmann“. Die Verkäuferin sucht zwischen überfüllten Regalen nach Anspitzern. Ein Kanarienvogel zwitschert. Sie blickt auf: neue Kundschaft.

In meinem Viertel näht eine Griechin Mottenlöcher aus meinem Talar und lässt meine weiße Bluse chemisch reinigen. Ihr Mann ist außer sich vor Freude, wenn er mich sieht: „Pastorin!“ Sie sind sehr religiös, griechisch-orthodox.

In der Foodoase frage ich den höflichen jungen Mann nach seiner Herkunft, während die Falafelbällchen in der Friteuse garen.

„Ich Kurde aus Syrien, wollte studieren.“

„Studieren geht hier nicht?“

„Abschluss wird nicht anerkannt.“ In Syrien ist die politische Lage schwierig, das weiß ich wohl, und als ich das äußere, schaut er mich verständnislos an. Sprachlevel B1 ist nicht das Problem. In Syrien ist keine „Lage“.  In Syrien ist Krieg.

Morgens um sechs beginnt ein Orchester aus Papierpresse, Rückwärts-Pieper und Presslufthammer. Ich stehe auf und schließe das Fenster, in das die Morgensonne schon gnadenlos strahlt.

Ob ich wieder einschlafen kann?

Mein Viertel.

Manchmal ist es laut hier.

Manchmal gehen wir uns auf die Nerven.

Doch ich lebe gerne hier.

 

MARK CONNORS

Viel Nachtmusik

It starts with the almost silent bats
and the predictable loud owl next door,
not letting us into our dreaming heads,
waking the dead in Laycock graveyard
who begin a quiet chant.
A man fires up his mower by the light
of a full orange moon. Even the bus
is still running and stacatos its reverse.
There's a one way conversation taking place
in the last red phone box in the Worth Valley
and its nocturnal caller is laughing.
The dawn chorus is three hours early;
so many voices, notes, nothing out of tune.
Someone is making breakfast. We can hear
the spit and sizzle of it all and the milkman
is back out of retirement to make his own
glass music. Someone is doing that thing
with fingers on the rim of a tumbler.
This is no time for a piano sonata
or the sweet pain of a violin. And yet it is.
The sheep are at it, and the cows,
and a stag bellows in a field above the beck.
Nobody knew what a badger sounded like
till now; nothing like the fox,
the only scream in this mad cacophony.
Don't tell me this is not meant to happen;
this is all we need but sleep before
our long commutes. But should sleep elude us
in this small hour tumult, we'll thank the Gods,
forgive them for it. And the whole village
will phone in sick, sleep through the long spring day.

 

The Poetry of Neighbourhood

The Poetry of Neighbourhood